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[star]  Titel: Ist der Islam eine friedliche Religion?

[folder]  Kategorie: Theologische Fragen

[time]  Letzte Änderung: 4.6.2018 um 12:56 Uhr

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Inhaltsverzeichnis

» Gewalt im Koran
» Gewalt in der Bibel
» Was am Ende zählt
» Verwendete Literatur

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Jesus und die Ehebrecherin

Ist der Islam eine friedliche Religion?

Unablässig hören wir von „islamistischem Terrorismus“, von „Ehrenmorden“ und „religiös motivierter Gewalt“. Die Ideologie dahinter entspringt häufig dem Koran. Auf der anderen Seite sagen viele Muslime, der Islam sei eine Religion des Friedens und berufen sich dabei ebenfalls auf den Koran. Was soll man davon halten?

Gewalt im Koran

Betrachtet man die Sache ganz nüchtern, hat um 610 v. Chr. ein arabischer Führer namens Mohammed seinen Nachfolgern Texte in die Hand gedrückt, mit der Behauptung, sie seien von Gott. In diesen Schriften fanden sie Anweisungen zu allen möglichen und unmöglichen Bereichen des Lebens, d.h. eben auch, wie sie sich im Krieg zu verhalten hatten. So gesehen sind viele Verse des Koran zunächst einmal nur historische Mitteilungen, Befehle und Kriegs-Taktiken zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort. Ob Muslime diese Dinge zu allen Zeiten an allen Orten auf sich beziehen sollten, hängt scheinbar von der Interpretation des Lesers ab. Aus dieser Interpretation ergibt sich, ob der Islam „friedlich“ ist oder eine Geißel für die Menschheit.

Es folgen ein paar Beispiele, damit sich jeder selbst ein Bild davon machen kann. Ich zitiere aus einer deutschen Koran-Übertragung nach Abu-Rida Muhammad Ibn Ahmad Rassoul, Verlag Islamische Bibliothek, August 2009. Worte in runden Klammern sind eine sinngemäße Ergänzung des Übersetzers; Worte in eckigen Klammern sind von mir zur Verdeutlichung des Kontexts.

"Zu kämpfen ist euch vorgeschrieben, auch wenn es euch widerwärtig ist. Doch es mag sein, dass euch etwas widerwärtig ist, was gut für euch ist, und es mag sein, dass euch etwas lieb ist, was übel für euch ist. Und Allah weiß es, doch ihr wisst es nicht."
– Koran, Sure 2,216

"Lasst also für Allahs Sache diejenigen kämpfen, die das irdische Leben um den Preis des jenseitigen Lebens verkaufen. Und wer für Allahs Sache kämpft, alsdann getötet wird oder siegt, dem werden Wir einen gewaltigen Lohn geben.“
– Koran, Sure 4,74

"Und kämpft gegen sie [die Ungläubigen], damit keine Verführung mehr stattfinden kann und (kämpft) bis sämtliche Verehrung auf Allah allein gerichtet ist. Stehen sie jedoch (vom Unglauben) ab, dann, wahrlich, sieht Allah sehr wohl, was sie tun."
– Koran, Sure 5,39

"Und wenn die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet, und ergreift sie und belagert sie und lauert ihnen aus jedem Hinterhalt auf. Wenn sie aber bereuen und das Gebet verrichten und die Zakah [d.h. eine Art Tribut] entrichten, dann gebt ihnen den Weg frei. Wahrlich, Allah ist Allvergebend, Barmherzig."
– Koran, Sure 9,5

"Wahrlich, jene, die ungläubig sind und die sich von Allahs Weg abwenden und dann als Ungläubige sterben – ihnen wird Allah gewiss nicht vergeben. So lasst (im Kampf) nicht nach und ruft nicht zum Waffenstillstand auf, wo ihr doch die Oberhand habt. Und Allah ist mit euch, und Er wird euch eure Taten nicht schmälern."
– Koran, Sure 47,34+35

Die ersten Muslime waren von Anfang an in militärische Auseinandersetzungen mit allen Andersgläubigen verwickelt. Die Kriegs-Ethik des Koran wird nicht irgendwie zeitlich beschränkt, sondern bezieht sich ganz grundsätzlich darauf, wie mit Ungläubigen umzugehen ist. Es ist eine Anleitung dafür, wie der Islam verbreitet werden soll. Auch heute noch ist es das Ziel eines Moslem, dem Propheten Mohammed in allen Bereichen des Lebens nachzueifern. Wenn man die Aussagen des Koran also einfach beim Wort nimmt, müssten auch heute noch alle Ungläubigen durch das Schwert getötet werden. Ja, der Islam bezeichnet sich als friedliche Religion. Aber "Friede" im Sinne des Koran herrscht erst dann, wenn alle Ungläubigen – also alle nicht-Muslime – beseitigt sind.

Natürlich gibt es zahlreiche Koran-Prediger, die versuchen, ihre Religion irgendwie für die heutige Zeit „gesellschaftstauglich“ zu machen. Dabei seien diese Aufrufe zur Gewalt im heutigen Zeitalter der Religionsfreiheit und Toleranz natürlich nicht mehr so anzuwenden. Diese Sicht ist grundsätzlich nicht falsch, denn ein Text sollte immer in seinem zeitlichen und kulturellen Zusammenhang betrachtet werden. (Das gilt auch für die Bibel.) Das Problem ist nur, dass der Koran den Anspruch erhebt, ein universal gültiges, Wort für Wort von Gott diktiertes Buch zu sein. Sobald man dieses Buch nur noch als eine historische Aufzeichnung von Vielen betrachtet, fällt der gesamte Anspruch der Religion in sich zusammen. Wer eine solche Sicht vertritt, glaubt nur noch um des Glaubens Willen an eine inhaltlose Hülle, die einst der Islam war. Es ist ein sehr oberflächlicher (aber immerhin friedlicher!) Islam, dessen Gläubige meist gar nicht wissen, was genau sie eigentlich glauben und was nicht. Die meisten Menschen, die sich heute als Muslime bezeichnen, fallen wohl in diese Kategorie.

Gewalt in der Bibel

Viele Menschen werden jetzt entgegnen: In der Bibel stehen aber genau so fürchterliche Anweisungen zum Krieg! Das stimmt. Die Bibel berichtet beispielsweise ausführlich, wie die Israeliten unter ihren Führern Mose und Josua in Gottes Auftrag ganze Völker auslöschen sollten:

"Wenn JHWH, dein Gott, dich in das Land bringt, in das du kommen wirst, um es in Besitz zu nehmen, und wenn er vor dir her viele Völker vertilgt, die Hetiter, die Girgasiter, die Amoriter, die Kanaaniter, die Pheresiter, die Hewiter und die Jebusiter, sieben Völker, die größer und stärker sind als du; und wenn sie JHWH, dein Gott, vor dir dahingibt, dass du sie schlägst, so sollst du unbedingt an ihnen den Bann vollstrecken; du sollst keinen Bund mit ihnen machen und ihnen keine Gnade erweisen."
– Die Bibel, 5. Buch Mose (Deuteronomium), Kapitel 7,1-2

Über die berühmte Eroberung der Stadt Jericho heißt es:

"Da erhob das Volk ein Kriegsgeschrei, und [die Priester] stießen in die Schopharhörner. Als nun das Volk den Schall der Hörner hörte und ein großes Kriegsgeschrei erhob, da stürzte die Mauer in sich zusammen, und das Volk drang in die Stadt ein, jeder gerade vor sich hin. So nahmen sie die Stadt ein. Und sie vollstreckten den Bann an allem, was in der Stadt war, mit der Schärfe des Schwertes, an Männern und Frauen, Jungen und Alten, Rindern, Schafen und Eseln. [...]"
– Die Bibel, 5. Buch Mose (Deuteronomium), Kapitel 7,1-2

Wie im Koran geht es Gott auch hier darum, die Ungläubigen zu vernichten (wobei man erwähnen sollte, dass die in der Bibel erwähnten „Ungläubigen“, die vernichtet werden sollten, gewissenlose Götzendiener waren, die nicht davor zurückschreckten, ihre eigenen Kinder im Feuer zu verbrennen). Trotzdem haben wir es mit der totalen Vernichtung im Namen Gottes zu tun. Diese und andere Verse können – wie im Koran – als Legitimation für den Heiligen Krieg betrachtet werden, was die christlichen Kreuzfahrer im Mittelalter eindrücklich demonstriert haben.

Doch es gibt einen sehr, sehr großen Unterschied. Die Anweisungen, die Gott an Mose und Josua gab, galten ausdrücklich ihnen. Das sind keine Generalanweisungen an alle Gläubigen, die die Bibel lesen! Die Aufforderung zum Krieg galt ausdrücklich nur dem damaligen Volk Israel, als es das ihm versprochene Land Kanaan einnehmen sollte. Die Eroberungszüge im Alten Testament der Bibel sind jedenfalls ausdrücklich historische Berichte. Gleiches gilt für die komplizierten Tieropfer-Rituale und strengen Gesetze, die die Israeliten einhalten mussten. Zwar können und sollen wir auch daraus etwas lernen, aber wir sollen es ganz sicher nicht nachmachen und zum Schwert greifen. Da schiebt die Bibel selbst einen klaren Riegel vor. Durch Jesus Christus ließ Gott verlauten, wie Menschen grundsätzlich handeln sollen:

"Liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen; segnet, die euch fluchen, und betet für die, welche euch beleidigen! Dem, der dich auf die eine Backe schlägt, biete auch die andere dar; und dem, der dir den Mantel nimmt, verweigere auch das Hemd nicht."
– Die Bibel, Evangelium nach Lukas, Kapitel 6,27-29

"Stecke dein Schwert an seinen Platz! Denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen!"
– Die Bibel, Evangelium nach Matthäus, Kapitel 26,51-52

Der Apostel Paulus bestätigt Jesu Worte nochmals als allgemeine und für alle Christen zu allen Zeiten geltende Grundsätze:

"Segnet, die euch verfolgen; segnet und flucht nicht! Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden! Seid gleichgesinnt gegeneinander; trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedrigen; haltet euch nicht selbst für klug! Vergeltet niemand Böses mit Bösem! Seid auf das bedacht, was in den Augen aller Menschen gut ist. Ist es möglich, soviel an euch liegt, so haltet mit allen Menschen Frieden."
– Die Bibel, Brief des Paulus an die Römer, Kapitel 12,14-18

Jesus und Paulus machen hier ganz klare Ansagen. Im Koran jedenfalls kann ich solche Worte nicht finden. Und auch sonst nirgendwo. Jesus lässt keinen Spielraum für eine Interpretation der Bibel, die zum Krieg aufruft. Das ist der entscheidende Unterschied. Wir haben es also mit einem interessanten Gegensatz zu tun: Wenn man den Koran ernst nimmt und wörtlich auslegt, führt das zum Krieg, während eine pervertierte, irgendwie „angepasste“ und tolerante Interpretation des Korans zum Frieden führen kann. Bei der Bibel ist es genau umgekehrt: Eine ernste und wörtliche Auslegung der Bibel führt zum Frieden, während eine pervertierte, aus dem Kontext gerissene Interpretation der Bibel zum Krieg führen kann.

Was am Ende zählt

Der Unterschied zwischen der Ideologie des Koran und der Bibel zeigt sich sehr schön am Umgang mit „Sündern“. Dazu ein Beispiel. Im Jahr 2013 ist ein 15-jähriges Mädchen auf den Malediven zu 100 Peitschenhieben verurteilt worden, weil sie vorehelichen Sex hatte. Sie ist darüber hinaus jahrelang von ihrem Stiefvater missbraucht worden, trotzdem wird sie nicht als Opfer betrachtet, sondern als Täter.[1] Es hat nicht lange gedauert, die fragwürdige Motivation dieser "Bestrafung" zu finden:

"Peitscht die Unzüchtige und den Unzüchtigen gegebenenfalls jeweils mit hundert Peitschenhieben aus; und lasst euch angesichts dieser Vorschrift Allahs nicht von Mitleid mit den beiden ergreifen, wenn ihr an Allah und an den Jüngsten Tag glaubt. Und eine Anzahl der Gläubigen soll ihrer Pein beiwohnen."
– Koran, Sure 24,2

Sieht so Allahs große Huld und Barmherzigkeit aus? Der Koran beteuert zwar unablässig die Barmherzigkeit Allahs, aber tatsächlich beschreibt er einen herrischen, willkürlich strafenden Gott, der die Menschen nur als Diener betrachtet und sie mit der Furcht vor der Hölle gefügig macht. (Die gleiche archaische Strategie, die die katholische Kirche mit ihrem Fegefeuer verfolgte.) Dagegen hat Jesus Christus jede religiöse Dogmatik überwunden und zeigt uns, wie Gott wirklich ist. Er geht mit „Unzüchtigen“ ganz anders um:

"Die Schriftgelehrten und Pharisäer brachten eine Frau, beim Ehebruch ergriffen, und stellten sie in die Mitte und sprachen zu ihm [Jesus]: Meister, diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen worden. Mose aber hat uns im Gesetz geboten, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du? [...] Aber Jesus bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Als sie nun fortfuhren, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie. Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde. Als sie aber das hörten, gingen sie weg, einer nach dem andern, die Ältesten zuerst; und Jesus blieb allein mit der Frau, die in der Mitte stand. Jesus aber richtete sich auf und fragte sie: Wo sind sie, Frau? Hat dich niemand verdammt? Sie antwortete: Niemand, Herr. Und Jesus sprach: So verdamme ich dich auch nicht; geh hin und sündige hinfort nicht mehr."
– Evangelium nach Johannes, Kapitel 8,3-11

So schafft man echten Frieden.


Verwendete Literatur

[1] FOCUS Online, 28. Februar 2013