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Letzte Änderung: 10. März 2019 um 20:55 Uhr

Die Königreiche der Menschen gleichen einer siebenköpfigen Hydra. (c) Todd Lockwood, für Wizards of the Coast. Das Bild wurde leicht verändert.


Die sieben Königreiche der Menschen

Der Prophet Daniel sagte voraus, dass das jüdische Volk in Zukunft noch vier verschiedenen Weltreichen unterworfen sein würde. Der Seher Johannes ergänzt diese prophetische Sicht auf insgesamt sieben große Königreiche der Menschen.

Im frühen 6. Jahrhundert v. Chr. diente ein junger Jude namens Daniel am Hofe des neubabylonischen Königs Nebukadnezar (640-562 v. Chr.). Gott hatte Daniel mit großer Weisheit und Einsicht gesegnet und ihm göttliche Geheimnisse offenbart, die seine Vorstellungskraft maßlos überstiegen. Einerseits war Daniel mit Gottes Hilfe in der Lage, Träume zu deuten, und andererseits erschien ihm mehrfach der Engel Gabriel, der ihm die zukünftige Weltpolitik detailreich erklärte. Glücklicherweise befahl der himmlische Bote auch, seine Worte für die Nachwelt aufzuschreiben:

"Fürchte dich nicht, Daniel! Denn von dem ersten Tag an, da du dein Herz darauf gerichtet hast, zu verstehen und dich vor deinem Gott zu demütigen, sind deine Worte erhört worden, […] So bin ich nun gekommen, um dir Einblick darüber zu geben, was deinem Volk am Ende der Tage begegnen wird; denn das Gesicht bezieht sich wiederum auf fernliegende Tage! […] Du aber, Daniel, verschließe diese Worte und versiegle das Buch bis zur Zeit des Endes! Viele werden darin forschen, und die Erkenntnis wird zunehmen.
– Prophet Daniel, Kapitel 10,12+14 und 12,4

Die Traumbilder

Im zweiten und siebten Kapitel des Daniel-Buches beschreibt der Prophet zwei Träume von besonderer Wichtigkeit. Den ersten Traum hatte König Nebukadnezar, der darüber in Ratlosigkeit und Schrecken geriet:

"Du, o König, schautest, und siehe, ein erhabenes Standbild. Dieses Bild war gewaltig und sein Glanz außergewöhnlich; es stand vor dir, und sein Anblick war furchterregend. Das Haupt dieses Bildes war aus gediegenem Gold, seine Brust und seine Arme aus Silber, sein Bauch und seine Lenden aus Erz, seine Oberschenkel aus Eisen, seine Füße teils aus Eisen und teils aus Ton. Du sahst zu, bis sich ein Stein losriss ohne Zutun von Menschenhänden und das Bild an seinen Füßen traf, die aus Eisen und Ton waren, und sie zermalmte. Da wurden Eisen, Ton, Erz, Silber und Gold miteinander zermalmt; und sie wurden wie Spreu auf den Sommertennen, und der Wind verwehte sie, so dass keine Spur mehr von ihnen zu finden war. Der Stein aber, der das Bild zertrümmert hatte, wurde zu einem großen Berg und erfüllte die ganze Erde."
– Prophet Daniel, Kapitel 2,31-35

Der zweite Traum hat die selbe Bedeutung wie der Erste und stammt von Daniel selbst. Er hatte ihn etwa 50 Jahre später als alter Mann:

"Ich sah bei Nacht in meinem Gesicht, und siehe, die vier Winde des Himmels brachen los auf das große Meer; und vier große Tiere stiegen aus dem Meer empor, jedes verschieden vom anderen:
Das erste glich einem Löwen und hatte Adlerflügel. [...] Und siehe, das andere, zweite Tier glich einem Bären; und es war nur auf einer Seite aufgerichtet und hatte drei Rippen in seinem Maul zwischen seinen Zähnen; [...] Danach schaute ich weiter und siehe, ein anderes [Tier] wie ein Panther; das hatte vier Vogelflügel auf seinem Rücken; auch vier Köpfe hatte dieses Tier, und ihm wurde Herrschaft verliehen.
Nach diesem sah ich in den Nachtgesichten und siehe, ein viertes Tier, furchterregend, schrecklich und außerordentlich stark; es hatte große eiserne Zähne, fraß und zermalmte und zertrat das Übrige mit den Füßen; es war ganz anders als alle vorherigen Tiere und hatte zehn Hörner."

– Prophet Daniel, Kapitel 7,2-7

Nur Daniel war in der Lage, beide Träume zu erklären: Sowohl die Teile der Statue als auch die Tiere repräsentieren vier aufeinander folgende Weltreiche. Darunter versteht sich in diesem Zusammenhang entweder ein Reich, das über die gesamte bekannte Welt herrscht oder zumindest die Vorherrschaft über weite Teile der Welt innehat. In der biblischen Symbolik steht das Meer (bzw. Wasser) für die Völker der Erde (das Völkermeer).[1] Daniel sah also durch Winde, d.h. durch politische Umwälzungen oder Kriege, vier Königreiche aus den Völkern hervorgehen. Doch wie jede menschliche Regierung irgendwann untergeht, würden auch die Weltreiche von einem "Stein" zermalmt werden. Ob die Deutung der Träume richtig war, lässt sich heute durch einen Blick in die Geschichtsbücher leicht herausfinden. Dabei wird sich zeigen, dass Israel seit der Gefangenschaft in Babylon bisher tatsächlich vier Weltreichen unterworfen war, und zwar nur vieren.

Das erste Weltreich: Babylon

Löwen an den Mauern Babylons, Pergamon-Museum, Berlin (c) Lightwish.deLöwen an den Mauern Babylons, Pergamon-Museum, Berlin (c) Lightwish.de

Das erste Weltreich wird von Daniel definitiv als das damals herrschende, neubabylonische Reich angegeben. Im Jahr 612 v. Chr. konnte der neubabylonische König Nabupolassar die Macht Assyriens brechen, indem er die große Stadt Ninive eroberte. Etwa sieben Jahre später errang Nabupolassars Sohn, Nebukadnezar, bei Karkemisch einen entscheidenden Sieg über den ägyptischen Pharao Necho. Damit gewannen die babylonischen Herrscher die uneingeschränkte Vorherrschaft im Vorderen Orient. Der geflügelte Löwe aus Daniels Traum, ein Wappentier Babylons, repräsentiert das Reich ebenso wie der goldene Kopf der Statue:

"... Du [König Nebukadnezar] bist das Haupt aus Gold!"
– Prophet Daniel, Kapitel 2,38

Nebukadnezar war bekannt für seine mächtigen Bauwerke wie die Hängenden Gärten oder die Prozessionsstraße zum Ishtar-Tor. Die Hauptstadt Babylon war der Inbegriff des Reichtums und der Dekadenz, und der König hatte sprichwörtlich nur Gold im Kopf. Zur Zeit der Visionen Daniels befanden sich die Juden dort in Gefangenschaft. Für Daniel war das also noch keine Zukunfts-Prophezeiung, sondern Gegenwart.

Das zweite Weltreich: Medo-Persien

Das persische Heer im Film "300" von Zack SnyderDas persische Heer im Film "300" von Zack Snyder

Das babylonische Reich stürzte im Jahr 539 v. Chr. durch die militärische Gewalt des persischen Königs Kyrus II. Eine antike Aufzeichnung behauptet, dass die Truppen des medischen Feldherren Ugbaru bei der Belagerung Babylons einen Graben ausgehoben hatten, um das Wasser des Euphrat umzuleiten und dadurch den Wasserpegel zu senken. Da der Fluss die Stadt durchzog, konnten die Belagerer durch das Flussufer die dicken Mauern umgehen und in die Stadt eindringen, während der babylonische Regent Belsazar ahnungslos in seinem Palast feierte.[2] Belsazar starb noch in der selben Nacht, wovon auch Daniel in seinem Buch berichtet.[3] Von da an waren die Meder und Perser die führende Macht in der Welt:

"Nach dir aber wird ein anderes Reich aufkommen, geringer als du; ..."
– Prophet Daniel, Kapitel 2,39

In den Träumen wird Medo-Persien durch die silberne Brust und den Bären dargestellt. Dass der Bär nur zu einer Seite hin aufgerichtet war, illustriert das Ungleichgewicht in diesem Doppelreich: Die Perser waren das mächtigere der beiden Völker und übernahmen die Führerschaft. Doch sie waren nicht so mächtig wie zuvor Babylonien. Die drei Rippen, die der Bär im Maul trug, könnten für die drei Länder stehen, die Persien "fraß", also eroberte: Lydien, Babylon und Ägypten.[4]

Das dritte Weltreich: Griechenland

König Leonidas und das griechische Heer im Film "300" von Zack SnyderKönig Leonidas und das griechische Heer im Film "300" von Zack Snyder

Das persische Reich brach seinerseits zusammen, als Alexander der Große im Jahre 333 v. Chr. die Heere Darius III. in der Schlacht zu Issos besiegte.[5] Eine ebenso entscheidende Schlacht zwischen den Persern und den Griechen wurde bei den Thermophylen ausgetragen, als sich König Leonidas (der Legende nach mit nur 300 tapferen Soldaten) dem gesamten Perser-Heer entgegenstellte. So begann die 150-jährige Herrschaft der Griechen über Judäa. Der Feldzug Alexanders führte mit enormer Geschwindigkeit von Griechenland über Ägypten bis Indien. In nur zehn Jahren zwang der brillante Stratege quasi die gesamte bekannte Welt unter seine Herrschaft,[6] weshalb das Reich auch als geflügelter Panther dargestellt wird.

"… Und ein nachfolgendes drittes Königreich, das eherne, wird über die ganze Erde herrschen."
– Prophet Daniel, Kapitel 2,39

Niemand vermochte Alexander aufzuhalten, bis eine tödliche Tropenkrankheit dem Wahn ein Ende bereitete – der Preis für seine weiten Reisen. Der Stärke ihres großen Feldherrn beraubt, zerfiel das Reich. Doch bevor es vom vierten Weltreich abgelöst wurde, folgte eine Zeit politischer Wirren.

Untergang des Griechischen Reiches

Der Prophet Daniel hatte einen weiteren Traum, in dem ein Widder gegen einen Ziegenbock kämpfte. Dieser Traum stellt den Krieg zwischen Persien und Griechenland dar. Der Ziegenbock, also Griechenland, trug den Sieg davon. Doch danach brach das Horn auf dem Kopf des Ziegenbocks (das Alexander darstellt) ab und wurde durch vier weitere Hörner ersetzt. Hörner sind in der Bibel immer ein Symbol für Macht und Königreiche. Diese vier Hörner wurden im vorigen Traum analog durch die vier Köpfe und die vier Flügel des Panthers dargestellt.

"Der Widder mit den beiden Hörnern, den du gesehen hast, das sind die Könige der Meder und Perser. Der zottige Ziegenbock aber ist der König von Griechenland; und das große Horn zwischen seinen beiden Augen, das ist der erste König. Dass es aber zerbrach und an seiner Stelle vier andere aufgekommen sind, bedeutet, dass aus diesem Volk vier Königreiche entstehen werden, doch nicht mit der Macht, die jener hatte."
– Prophet Daniel, Kapitel 8,20-22

Die griechischen Diadochen-Reiche nach 301 v. Chr. (c) Captain_Blood, Wikipedia.deDie griechischen Diadochen-Reiche nach 301 v. Chr. (c) Captain_Blood, Wikipedia.de

Alexander der Große starb überraschend im Jahr 323 v. Chr. Angeblich habe er verlauten lassen, er werde dem Stärksten unter seinen Feldherren sein Reich übergeben. Darüber herrschte natürlich keine Einigkeit, und so kam es zu einem ständigen Machtwechsel zwischen Alexanders Söhnen und seinen Generälen (den so genannten Diadochen), während sie sich im Streit um die einzelnen Teile des Reiches die Schädel einschlugen. Erst nach der Schlacht von Ipsos (301 v. Chr.) stellte sich, wie vorhergesagt, ein gewisses Gleichgewicht ein, das vier mächtige Diadochen-Könige hervorbrachte:[7]

– Lysimachos in Thrakien
– Ptolemaios in Ägypten
– Seleukos in Syrien und Babylonien
– Kassander in Griechenland und Makedonien

Kurz danach kam ein Sprössling der seleukidischen Linie auf, der mehrere düstere Weissagungen Daniels erfüllen sollte:

"Aber am Ende ihrer Regierung, wenn die Frevler das Maß voll gemacht haben, wird ein frecher und listiger König auftreten. Und seine Macht wird stark sein, aber nicht in eigener Kraft; und er wird ein erstaunliches Verderben anrichten, und sein Unternehmen wird ihm gelingen; und er wird Starke verderben und das Volk der Heiligen [d.h. Israel]."
– Prophet Daniel, Kapitel 8,23+24

Wie uns die Historiker berichten, war es der seleukidische Herrscher Antiochus IV., genannt Epiphanes (griech. "der erschienene Gott"), der die Juden unter grausamster Folter dazu zwang, ihrem Glauben abzuschwören. Mit dem Ziel, das Land zu "hellenisieren" verbot er alle jüdischen Kulthandlungen. Der Tiefpunkt wurde 167 v. Chr. erreicht, als Antiochus auf dem Brandopfer-Altar vor dem Tempel in Jerusalem einen Zeus-Altar errichtete und darauf ein Schwein opfern ließ.[8] Antiochus IV. starb drei Jahre später in geistiger Umnachtung, während sein Reich von aufständischen Juden unter Judas Makkabäus zerrüttet wurde und schließlich zerfiel.[9]

Das vierte Weltreich: Rom

Rom im Film "Gladiator" von Ridley ScottRom im Film "Gladiator" von Ridley Scott

Ein Jahrhundert lang durften die Juden Freiheit von fremder Herrschaft genießen. Doch im Jahre 63 v. Chr. eroberte der römische Feldherr Pompeius das Land, was die griechische Herrschaft über Judäa endgültig beendete. Nun folgte die Zeit des Römischen Reiches, symbolisiert durch die furchterregende, schreckliche namenlose Bestie. Im Jahr 66 n. Chr. begannen die jüdischen Zeloten einen gewaltsamen Aufstand gegen die kaiserliche Regierung – woraufhin Kaiser Nero seinen Feldherrn Vespasian und dessen Sohn Titus mit insgesamt vier Legionen nach Jerusalem entsandte. Schließlich, im verhängnisvollen Jahr 70 n. Chr., drangen die römischen Legionen in die Stadt ein und rissen den Tempel von Jerusalem bis auf die Grundmauern nieder. In einem beispiellosen Massaker verbrannten sie die ganze Stadt, töteten über eine Million Juden und vertrieben die Überlebenden in die ganze Welt.

"Und ein viertes Königreich wird sein, so stark wie Eisen; ebenso wie Eisen alles zermalmt und zertrümmert, und wie Eisen alles zerschmettert, so wird es auch jene alle zermalmen und zerschmettern."
– Prophet Daniel, Kapitel 2,40

Die eisernen Rüstungen der römischen Legionäre, die in ihren soliden Angriffsformationen alles zermalmten, hätten in der Prophezeiung kaum deutlicher dargestellt werden können. Der Prophet Daniel sah aber auch die Spaltung des vierten Weltreiches voraus, denn keine menschliche Regierung hat ewig Bestand:

"Und dass du die Füße und die Zehen teils aus Töpferton und teils aus Eisen gesehen hast: Das wird ein geteiltes Königreich sein; aber von der Festigkeit des Eisens wird etwas in ihm sein, weil du das Eisen mit lehmigem Ton vermischt gesehen hast."
– Prophet Daniel, Kapitel 2,41

Im Jahr 395 n. Chr. teilte Kaiser Theodosius I. das Reich und übergab es seinen Söhnen Honorius (Westrom) und Arcadius (Ostrom).[10] Ostrom existierte unter dem Namen Byzanz bis zum Angriff der Osmanen im Jahre 1453 n. Chr. Dagegen war der Untergang des weströmischen Reiches bereits 476 n. Chr. besiegelt, als der germanische König Odoaker den letzten weströmischen Kaiser Romulus Augustulus zur Abdankung zwang.[11]

Das fünfte Weltreich: Die zehn Könige

Auf den Niedergang des Imperium Romanum würde als nächstes eine Art Bund aus zehn Königen folgen. Wir haben gesehen, dass das vierte Tier, die "namenlose Bestie", zehn Hörner hatte und das Standbild aus Nebukadnezars Traum zehn Zehen, was die selbe Bedeutung trägt:

"Und die zehn Hörner bedeuten, dass aus jenem Reich zehn Könige aufstehen werden; ..."
– Prophet Daniel Kapitel 7,24

Tatsächlich zerbrach (West-)Rom unter dem Ansturm der Germanen in verschiedene Nationen. Man kann sicherlich versuchen, genau zehn Nationen zu finden, die aus dem Römischen Reich hervorgingen. Doch der Untergang Roms kam schleichend und war kein plötzliches Ereignis. Somit lässt sich nur schwer begründen, welche Nationen mitgezählt werden müssen, und welche nicht. Die "zehn" kann aber auch symbolisch für eine größere Menge einzelner Teilreiche stehen. Dann ist es völlig legitim, darin die europäischen Nationen zu sehen. Das Reich der Zehn Könige wird auch genau so beschrieben, wie wir das gegenwärtige Europa erleben – voller politischer Wirren und großer Anstrengungen, die einzelnen Länder Europas zu vereinen:

"Und wie die Zehen seiner Füße teils aus Eisen und teils aus Ton waren, so wird auch das Reich zum Teil stark und zum Teil zerbrechlich sein. Dass du aber Eisen mit Tonerde vermengt gesehen hast, bedeutet, dass sie sich zwar mit Menschensamen [d.h. durch Heirat] vermischen, aber doch nicht aneinander haften werden, wie sich ja Eisen mit Ton nicht vermischt."
– Prophet Daniel Kapitel 2,42+43

Es kann natürlich auch sein, dass das Reich der zehn Könige für uns einfach noch in der Zukunft liegt. Viele Bibel-Ausleger sehen darin ein wiederhergestelltes Römisches Reich, denn die zehn Hörner wachsen ja auf dem Tier, das Rom repräsentiert. In der Tat ist es geschichtlich gesehen noch gar nicht so lange her, dass Gestalten wie Karl der Große, Napoleon und Hitler versucht haben, ein wiederhergestelltes Römisches Reich durchzusetzen.

Das Machtsystem der Menschen

Der Seher Johannes empfing um etwa 90 n. Chr. auf der Gefangenen-Insel Patmos eine Offenbarung von Jesus Christus, die er sorgfältig niederschrieb. Darin werden die Prophezeiungen von Daniel ganz deutlich aufgegriffen und weitergeführt. Von Johannes werden wir erfahren, dass im Laufe der Weltgeschichte nicht nur vier bzw. fünf Weltreiche über Israel herrschen würden, sondern dass es insgesamt sieben sind. Da Weltreiche in der biblischen Symbolik als Tiere abgebildet werden, könnte man annehmen, dass Johannes also sieben Tiere gesehen haben müsste. Er sah aber nur ein einziges Tier, doch das hatte sieben Häupter:

"Und ich sah aus dem Meer ein Tier aufsteigen, das sieben Köpfe und zehn Hörner hatte [...] Und das Tier, das ich sah, glich einem Panther, und seine Füße waren wie die eines Bären und sein Rachen wie ein Löwenrachen; und der Drache [d.h. der Satan] gab ihm seine Kraft und seinen Thron und große Vollmacht."
– Die Offenbarung, Kapitel 13,2+3

Dieses Tier vereint die Eigenschaften der Weltreiche, die Daniel gesehen hat. Das siebenköpfige Monster hat etwas vom Panther (Griechenland), vom Bären (Persien) und vom Löwen (Babylon). Es beinhaltet sogar etwas von dem nachfolgenden, fünften Reich, nämlich die zehn Hörner. Dass es auch etwas von der schreckliche Bestie enthält, die Rom darstellt, wird nicht speziell erwähnt. Vielleicht aus dem Grund, weil die Bestie schon für Daniel mit nichts zu vergleichen war, das er aus dem Tierreich kannte. Oder in den zehn Hörnern ist sowohl das antike Rom als auch das Reich der Zehn Könige abgebildet. So oder so scheint es, als stünde das Tier mit den sieben Köpfen für das Machtsystem der Menschheit im Allgemeinen. Wir werden noch sehen, dass jeder der sieben Köpfe für ein bestimmtes Weltreich steht. Aber aus Gottes Sicht ist es wohl so, dass es nur ein menschliches Weltreich gibt, das durch die Jahrtausende unterschiedlich stark zum Ausdruck kommt. Die gewaltigste, umfassendste Ausprägungsform hatte dieses Weltreich dann bisher im Römischen Reich. In gewisser Weise ist das Tier mit den sieben Köpfen Rom, jedoch hat dieses Imperium durch die Jahrtausende ganz unterschiedliche Gestalten angenommen.

Bis heute basiert unsere Kultur auf den Errungenschaften des Römischen Reiches. Die deutschen Kaiser des Mittelalters sahen sich in der Tradition der römischen Herrscher und nannten ihr Herrschaftsgebiet das "Heilige Römische Reich Deutscher Nation". Die "Römisch-Katholische Kirche" übernahm viele Bräuche und religiöse Riten der Römer und hat bis heute eine gewaltige ideologische Macht über Milliarden von Menschen. Der Papst kleidet sich in in einem majestätischem Pomp, der Julius Cäsar vor Neid erblassen ließe. Rom war und ist der Inbegriff menschlicher Herrschsucht. Vielleicht hat der Prophet Daniel deshalb auf die Andersartigkeit dieses Reiches hingewiesen:

"Das vierte Tier bedeutet ein viertes Reich, das auf Erden sein wird; das wird sich von allen anderen Königreichen unterscheiden, und es wird die ganze Erde fressen, zerstampfen und zermalmen."
– Prophet Daniel Kapitel 7,23

Ein Tier aus dem Abgrund

In der Vision des Johannes geschieht nun etwas Seltsames mit dem siebenköpfigen Tier:

"Und ich sah einen seiner Köpfe wie zu Tode verwundet, und seine Todeswunde wurde geheilt. Und die ganze Erde sah verwundert dem Tier nach."
– Die Offenbarung, Kapitel 13,2+3

Diese Textstelle ist äußerst schwierig zu deuten. Meine Überlegung ist folgende: Wenn das Tier selbst für die menschliche Weltregierung steht, dann könnte eine tödliche Wunde bedeuten, dass die Abfolge der Weltreiche für eine bestimmte Zeit unterbrochen wird. Das ist genau das, was wir seit dem Untergang des antiken Rom erleben: Die Welt besteht aus dutzenden mächtiger Reiche, die sich mal verbünden, mal bekriegen, aber seit den Cäsaren gibt es keine absolute Weltmacht mehr, die über alle anderen erhaben ist. Die Weltregierung ist zersplittert. Demnach müsste der verwundete Kopf des Tieres dem Reich der Zehn Könige entsprechen.

Vier Kapitel später bekommt Johannes von einem Engel eine aufschlussreiche Erklärung zu dem Tier. Was er sagt, ist meines Erachtens eine Erläuterung der tödlichen Wunde, die geheilt wird:

"Das Tier, das du gesehen hast, war und ist nicht mehr, und es wird aus dem Abgrund heraufkommen und ins Verderben laufen; und die auf der Erde wohnen [...] werden sich verwundern, wenn sie das Tier sehen, das war und nicht ist und doch ist. Hier ist der Verstand [nötig], der Weisheit hat!"
– Die Offenbarung, Kapitel 17,8-9a

Der Engel sagt relativ deutlich, dass das Tier eine Zeit lang nicht mehr da sein wird. Aber wenn es dann wieder erscheint, werden sich alle darüber wundern. Bei der Heilung der Todeswunde sahen ebenfalls alle "verwundert" dem Tier nach. Das ist genau die gleiche Formulierung. Ich bin mir zwar unsicher, ob meine Weisheit hierfür ausreicht, aber ich neige zu der Ansicht, dass beide Male das gleiche ausgedrückt wird: Das Tier, das "einmal war" und seit der Zeit von Johannes "nicht mehr ist", meint die früheren antiken Weltreiche. Sie sind in der Hinsicht vergangen, dass ihre geografischen Grenzen nicht mehr vorhanden sind. Das ist ihre tödliche Wunde. Ihre kulturellen Prägungen und ihre ideologische Macht blieb aber bis heute erhalten. Insofern ist das Tier nicht da, aber ist doch da. Wenn dieses Tier nun "aus dem Abgrund heraufkommen" wird, ist das gleichbedeutend mit der Heilung der Todeswunde. Die Heilung bedeutet dann, dass es in unserer Zukunft noch einmal ein umfassendes Weltreich der Menschen geben wird.

Die sieben Köpfe des Tieres

Nun endlich erklärt der Engel dem Johannes, was die sieben "Häupter der Hydra" bedeuten. Das ist wohl die rätselhafteste, aber auch die ausschlaggebendste Textstelle in Bezug auf die Weltreiche. Hier lohnt es sich, genau und mehrfach zu lesen:

"Die sieben Köpfe sind sieben Berge, auf denen die Frau sitzt. Und [es] sind sieben Könige: Fünf sind gefallen, und der eine ist da — der andere ist noch nicht gekommen; und wenn er kommt, muss er für eine kurze Zeit bleiben. Und das Tier, das war und nicht ist, ist auch selbst der achte, und es ist einer von den sieben, und es läuft ins Verderben. Und die zehn Hörner, die du gesehen hast, sind zehn Könige, die noch kein Reich empfangen haben; aber sie erlangen Macht wie Könige für eine Stunde zusammen mit dem Tier."
– Die Offenbarung, Kapitel 17,9b-12

Die Königreiche der Menschen gleichen einer siebenköpfigen Hydra. (c) Todd Lockwood, für Wizards of the Coast. Das Bild wurde leicht verändert.Die Königreiche der Menschen gleichen einer siebenköpfigen Hydra. (c) Todd Lockwood, für Wizards of the Coast. Das Bild wurde leicht verändert.

Bei den "sieben Bergen" haben schon viele Theologen an die Stadt Rom gedacht (und nicht an Schneewittchen). Rom ist seit der Antike als "Stadt auf sieben Hügeln" bekannt. Im Kontext der Bibel werden Berge aber auch als Symbol für menschliches Königtum verwendet.[12] Im obigen Vers wird deshalb direkt erklärt: "Und es sind sieben Könige". Ich betrachte die sieben Köpfe deshalb als sieben Erscheinungsformen menschlicher Weltregierung. Und wirklich berichtet die Bibel von genau sieben Großmächten, die im Verlauf der Geschichte über das Volk Israel geherrscht haben oder noch herrschen werden. In den Bibeltexten wird sogar mindestens eines der Oberhäupter von jedem der sechs bereits vergangenen Reiche genannt:

– Ägypten: Diverse Pharaonen (nicht namentlich)
– Assyrien: Tiglat-Pileser, Salmanassar, Sargon, Sanherib
– Babylon: Nebukadnezar, Belsazar
– Medo-Persien: Kyrus, Darius, Artaxerxes
– Griechenland: Alexander der Große (nicht namentlich)
– Rom: Kaiser Augustus, Kaiser Nero (nicht namentlich)
– Das Reich der zehn Könige

Da der Prophet Daniel zur Zeit Babylons lebte, hatte er die ersten beiden Reiche (Ägypten und Assyrien) nicht im Blickfeld seiner Prophetie, sondern konzentrierte sich nur auf die aus seiner Sicht Zukünftigen. Dagegen sieht Johannes, der die Offenbarung im Römischen Reich schrieb, auch alle Reiche der Vergangenheit. Für ihn waren die ersten fünf Königreiche Vergangenheit ("gefallen") und das sechste war "da". Das siebte Reich war für ihn "noch nicht gekommen", wird dann aber "eine kurze Zeit" bleiben. Aus unserer Perspektive ist dieses Reich womöglich die Gegenwart.

Das Achte Imperium

Das "Tier" hat also zunächst sieben Erscheinungsformen, wird aber gleichzeitig als ein mysteriöses, achtes Königreich betrachtet: "Das Tier ist selbst der achte, und es ist einer von den sieben". Wie ist das zu verstehen?

Meine Vermutung ist, dass es mit der Heilung der Todeswunde des siebten Reiches zusammenhängt. In dem Moment, da die Todeswunde des zersplitterten Reiches der Zehn Könige geheilt wird, existiert wieder eine menschliche Weltregierung in der Tradition Roms auf Erden. Doch diese Weltregierung wird nicht einfach nur der siebte Kopf des Tieres in geheiltem Zustand sein. Stattdessen lesen wir, dass das Weltreich alle bisherigen Erscheinungsformen in sich vereinen wird! Mit der Heilung des siebten Kopfes wird ein achtes Imperium entstehen, so ausgedehnt und mächtig wie alle vorherigen zusammen.

Doch es heißt auch, das achte Weltreich sei "einer von den sieben". Das ultimative Weltreich-Tier hat also Aspekte aller bisherigen Weltreiche, aber es scheint ganz besonders das Erbe von einem der vorhergehenden Reiche zu sein. Die Frage ist: Von welchem? Wir haben bereits gelesen, dass das siebte Reich "zusammen mit dem Tier," also mit dem achten Weltreich herrschen wird. Deshalb schlage ich folgende Interpretation vor: Das Tier, das achte Weltreich, ist im Grunde eines von den sieben Weltreichen – nämlich das Siebte – aber gleichzeitig beinhaltet das Tier die Charakteristik aller vorhergehenden Reiche. Das Reich der Zehn Könige wird also nicht nur geheilt, sondern auch noch durch die Stärke der sechs antiken Weltreiche "verbessert", und das Ergebnis ist das achte Weltreich.

Von Daniel erfahren wir sogar ein paar Details darüber, wie diese Veränderung im siebten Weltreich aussehen wird. Das achte Königreich soll entstehen, indem innerhalb des siebten Weltreichs (dem Reich der zehn Könige) drei Herrscher beseitigt werden:

"Und die zehn Hörner bedeuten, dass aus jenem Reich [Rom] zehn Könige aufstehen werden; und ein anderer wird nach ihnen aufkommen, der wird verschieden sein von seinen Vorgängern und wird drei Könige erniedrigen."
– Prophet Daniel Kapitel 7,24

Dieser "Andere", der kommen soll, ist also der achte König, aber er ist auch das gesamte Tier selbst. Deshalb ist er "verschieden" von seinen Vorgängern. Das "Tier" bedeutet dann einerseits grundsätzlich das Königtum der Menschen vom alten Ägypten bis zum Ende der Zeit, aber andererseits wird das Tier auch als unabhängige Macht betrachtet; als Krönung und furchtbarer Abschluss menschlicher Politikgeschiche. Am Ende der Zeit werden die sieben vergangenen Reiche nochmals in einem fusionierten Super-Imperium neu errichtet. Dabei wird der oberste Herrscher dieses Reiches womöglich diejenigen der zehn Könige, die nicht erniedrigt wurden, als Unterkönige an der Macht lassen, denn es hieß ja, dass sie "zusammen" regieren würden. Dann gäbe es in der Hierarchie nach dem obersten Herrscher genau sieben (zehn minus drei) Könige, die über ein Imperium regieren würden, das die sieben vergangenen Weltreiche in sich vereint. Das Tier ist der Höhepunkt und die Zusammenfassung des menschlichen Strebens nach Macht. Es ist der Endgegner.

Das ewige Reich des Höchsten

Wer die Geschichte unserer Welt studiert, kann den Eindruck gewinnen, dass die Aufeinanderfolge menschlicher Reiche schon immer nach dem gleichen Muster verlief und immer so weiter gehen wird. Ein Reich gewinnt eine gewisse Vormachtsstellung, bis es aus wirtschaftlichen, politischen oder ökologischen Gründen wieder zerfällt und von einem folgenden Reich abgelöst wird. Das Rad dreht sich immer weiter. Dagegen ist die Lektion aus den vier bzw. sieben aufeinanderfolgenden Weltreichen der biblischen Prophetie, dass sich die Geschichte nicht ständig kreisförmig wiederholt, sondern linear auf ein Ziel zusteuert. Nach dem siebten Weltreich folgt ein Höhepunkt, und dann kommt etwas völlig Neues. Das Rad der Weltreiche, das sich so viele Tausend Jahre gedreht hat, wird von einem Stein zertrümmert. Auch wenn die politischen Wirren unserer Zeit nicht danach aussehen, hat Gott die Geschichte fest im Griff. Er gibt die Regierungsgewalt, wem er will und nimmt sie auch wieder zurück:

"Im Rat der Wächter wurde das beschlossen, und von den Heiligen wurde es besprochen und verlangt, damit die Lebenden erkennen, dass der Höchste über das Königtum der Menschen herrscht und es gibt, wem er will, und den Niedrigsten der Menschen darüber setzt!"
– Prophet Daniel, Kapitel 2,14

Obwohl die menschlichen Herrscher der Weltreiche eine befristete Zeit lang Gewalt ausüben dürfen, werden sie eines Tages vom Gott des Himmels zur Rechenschaft gezogen. Wenn das Maß ihrer Schuld voll ist, wird auch die letzte, menschliche Regierung niedergeworfen:

Und das Tier wurde ergriffen [… und] lebendig in den Feuersee geworfen, der mit Schwefel brennt.
– Die Offenbarung, Kapitel 19,20

Anschließend wird Jesus Christus den Thron der Welt besteigen und das endgültige Reich formen, das auf Erden sein wird: Das ewige Friedensreich Gottes.

Dieser [Jesus] wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben; und er wird regieren über das Haus Jakobs [d.h. Israel] in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben.
– Evangelium nach Lukas, Kapitel 1,32+33

Wir erinnern uns, dass die Statue aus Nebukadnezars Traum durch einen großen Stein zertrümmert wurde:

Aber in den Tagen jener Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das in Ewigkeit nicht untergehen wird; und sein Reich wird keinem anderen Volk überlassen werden; es wird alle jene Königreiche zermalmen und ihnen ein Ende machen; es selbst aber wird in Ewigkeit bestehen; ganz so wie du gesehen hast, dass sich von dem Berg ein Stein ohne Zutun von Menschenhänden losriss und das Eisen, das Erz, den Ton, das Silber und das Gold zermalmte.
– Prophet Daniel, Kapitel 2,44+45

Der Stein beendet die gesamte Abfolge von Weltreichen, aber ohne dass Menschen etwas dazu beigetragen hätten, also durch göttliche Intervention. Dann wird der Stein selbst zu einem völlig neuartigen, letzten Reich auf Erden. Mit dem Leben Jesu hat das ewige Friedensreich bereits seinen Anfang genommen ("in den Tagen jener Könige"), doch es existiert bisher nur auf geistiger Ebene. Der Tag wird kommen, an dem es für alle sichtbar in Erscheinung tritt. Die endgültige Erfüllung dieser letzten Prophezeiung steht somit noch aus.

Daniel in der Kritiker-Grube

Zum Schluss möchte ich noch ein paar Worte zur Glaubwürdigkeit der Prophezeiungen Daniels verlieren. Die Aussagen des Propheten über die Weltreiche sind so detailliert und eindeutig beschrieben und haben sich derart exakt erfüllt, dass gebildete Ungläubige versucht haben, diesem Bibelbuch seine Echtheit abzusprechen. Sie behaupten, nicht Daniel habe es geschrieben, sondern jemand anderes, und zwar erst nachdem die vorausgesagten Ereignisse stattgefunden hatten. Dieser falsche Autor habe das Buch mit dem Namen Daniel versehen, um ihm Ansehen zu verleihen.

Durch die Entdeckung der Qumran-Schriftrollen vom Toten Meer im Jahre 1948 hat die herkömmliche Datierung des Buches Daniel jedoch neue Unterstützung erfahren. Es wurden nicht nur verschiedene Kopien des Buches Daniel entdeckt, sondern auch Schriftrollen, die auf Daniel Bezug nahmen, unter anderem das Gebet des Nabonidus und das Buch der Riesen. Anhand der Datierung dieser Schriften ins 2. und 1. Jahrhundert vor Christus können wir davon ausgehen, dass das Buch Daniel selbst noch früher geschrieben wurde, und damit deutlich vor der Zeit des Antiochus Epiphanes.

Ein weiteres Argument liefert der jüdische Historiker Josephus Flavius, der im 1. Jahrhundert n. Chr. gelebt und die jüdische Geschichte sehr zuverlässig aufgezeichnet hat:

"Als Alexander Gaza erreicht hatte, beeilte er sich, nach Jerusalem hinaufzugehen. [...] Als ihm [Alexander] das Buch Daniel gezeigt wurde, worin Daniel schreibt, dass einer der Griechen das Persische Reich zerstören sollte, nahm er an, dass er selbst diese Person sei."
– Josephus Flavius, "Jüdische Altertümer", Buch XI, Kapitel 8, Absatz 5"

Josephus war also eindeutig der Meinung, dass das Buch Daniel schon vor der Ankunft Alexanders im 4. Jahrundert v. Chr. existierte.

Und schließlich wird die historische Genauigkeit des Daniel-Buches von den apokryphen Büchern 1. und 2. Makkabäer unterstützt. Einer der Makkabäer, Mattathias, gab 166 v. Chr. eine Rede, um die Juden im Sinne der Makkabäer zu einigen. In dieser Rede beschrieb er historische Persönlichkeiten von Abraham bis Daniel.[13] Wenn Daniel ein Zeitgenosse Mattathias' gewesen wäre oder das Buch Daniel erst im Vorjahr geschrieben worden wäre, würde Daniel wohl kaum als einer der Vorfahren genannt werden.

Abschließend möchte ich behaupten, dass die Indizien stark für die herkömmliche Datierung des Daniel-Buches (530 v. Chr.) sprechen. Die eigentliche Frage lautet aber, ob wir bereit sind, das Werk als ein göttlich inspiriertes Buch anzuerkennen, oder ob wir jeglichen Einfluss Gottes von vornherein leugnen.

"Geh hin, Daniel! Denn diese Worte sollen verschlossen und versiegelt bleiben bis zur Zeit des Endes. Viele sollen gesichtet, gereinigt und geläutert werden; und die Gottlosen werden gottlos bleiben, und kein Gottloser wird es verstehen; aber die Verständigen werden es verstehen."
– Prophet Daniel, Kapitel 12,8-10


Verwendete Literatur

[1] Die Offenbarung, Kapitel 17,15
[2] Reinhold Bichler, "Herodots Welt", Oldenbourg Akademieverlag, 2001
[3] Prophet Daniel, Kapitel 5,25
[4] Wikipedia.de, Eintrag "Achämenidenreich"
[5] Wikipedia.de, Eintrag "Schlacht bei Issos"
[6] Wikipedia.de, Eintrag "Alexanderzug"
[7] Wikipedia.de, Eintrag "Diadochen"
[8] Wikipedia.de, Eintrag "Antiochos IV."
[9] Wikipedia.de, Eintrag "Makkabäer"
[10] Wikipedia.de, Eintrag "Reichsteilung von 395"
[11] Wikipedia.de, Eintrag "Untergang des Römischen Reiches"
[12] Jeremia 51,25; Daniel 2,35
[13] 1. Buch der Makkabäer, Kapitel 2,51-60